Ein Bäcker überlegt, eine zweite Filiale zu eröffnen. Eine Gemeinde will wissen, ob der Anbieter, der auf ihre Ausschreibung antwortet, das erste Mal so ein Projekt macht. Beide Fragen lassen sich beantworten, bevor jemand ein Angebot einholt — mit Daten, die ohnehin öffentlich sind.
Das ist OSINT: Open Source Intelligence, die Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen. Der Name klingt nach Nachrichtendienst. Gemeint ist etwas Nüchternes: aus dem, was frei einsehbar ist, ein Bild zusammensetzen, das eine Entscheidung trägt.
Der Aufwand liegt nicht im Beschaffen
Die meisten Informationen sind da. Das Firmenbuch ist öffentlich, die GISA-Zahl auch. OpenStreetMap kennt jedes Geschäft, jede Schule, jede Haltestelle. Bebauungspläne, Förderdatenbanken, Vergabeportale, Bilanzen offenlegungspflichtiger Gesellschaften — alles einsehbar.
Der Aufwand liegt woanders: darin, aus verstreuten Einzelfakten etwas zu machen, das eine Frage beantwortet. Genau das ist die Arbeit. Ein einzelner Eintrag sagt wenig; hundert Einträge, richtig geordnet, zeigen eine Bewegung.
Ein Beispiel aus unserem Werkzeugkasten
Für Standort- und Marktfragen haben wir uns ein Werkzeug geschrieben: trendradar. Es liest über die Overpass-Schnittstelle aus OpenStreetMap aus, welche Betriebe in einem Gebiet verzeichnet sind, und macht Veränderungen über die Zeit sichtbar — wo Gastronomie zunimmt, wo Handel ausdünnt, wo eine Lücke ist.
Das ersetzt keine Marktforschung mit Befragung. Aber es beantwortet die erste Frage — wie sieht das Umfeld überhaupt aus — in Stunden statt in Wochen, und aus einer Quelle, die jeder nachprüfen kann. trendradar ist offen; der Code liegt öffentlich auf GitHub — und im Labor neben unseren übrigen Experimenten.
Die Regel, die alles zusammenhält
OSINT hat einen schlechten Ruf, weil die Grenze zum Ausspähen unscharf wirkt. Für uns ist sie es nicht. Wir halten drei Grundsätze ein, und sie sind nicht verhandelbar:
- Nur offene Quellen. Was öffentlich zugänglich ist, werten wir aus. Zugangsbeschränkungen umgehen wir nicht, in fremde Systeme greifen wir nicht ein.
- Jede Aussage bis zur Quelle nachvollziehbar. Ein Ergebnis ohne Herkunft ist eine Behauptung. Bei uns steht hinter jeder Zeile, woher sie kommt.
- Rechtmäßige Verwendung liegt beim Auftraggeber. DSGVO, Lauterkeitsrecht, Persönlichkeitsrechte — wir sagen, was die Daten hergeben, und wo die rechtliche Grenze der Verwendung liegt.
Wofür Gemeinden und Betriebe das nutzen
Für eine Gemeinde vor einer Vergabe ist die nüchternste Anwendung die wertvollste: prüfen, mit wem man es zu tun hat. Existiert die Firma so lange, wie sie sagt? Passt die Gewerbeberechtigung zum Auftrag? Gibt es die Referenzen, auf die sie sich beruft? Das sind keine misstrauischen Fragen, sondern Sorgfaltspflichten — und die Antworten stehen in öffentlichen Registern.
Für einen Betrieb vor einer Investition ist es die Umfeldfrage: Wie dicht ist der Markt, wo sind die Lücken, wie hat sich das Gebiet in den letzten Jahren bewegt. Eine Entscheidung, die auf einer nachvollziehbaren Datengrundlage steht, ist nicht automatisch richtig — aber sie ist begründet. Das ist der Unterschied zwischen einem Bauchgefühl und einer Entscheidung, die man im Gemeinderat vertreten kann.
Wenn Sie so eine Frage haben, schreiben Sie uns. Wir sagen Ihnen vorher, was aus offenen Quellen zu holen ist und was nicht.