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Open Source in der Gemeinde: was man wirklich bekommt

Open Source in der Gemeinde: was man wirklich bekommt

Quelloffen heißt nicht kostenlos und nicht wartungsfrei. Was der offene Quellcode einer Gemeinde tatsächlich sichert — und welche Frage wichtiger ist als die Lizenz.

Raphael René Lugmayr
3 min Lesezeit

„Open Source” steht inzwischen in vielen Ausschreibungen der öffentlichen Hand. Meist ohne dass klar wäre, was damit erreicht werden soll. Das führt zu zwei entgegengesetzten Missverständnissen — und beide kosten Geld.

Das erste: Open Source sei kostenlos. Das zweite: Open Source sei riskant, weil niemand haftet.

Beides geht am Punkt vorbei.

Was offener Quellcode tatsächlich sichert

Der Wert liegt nicht darin, dass in der Gemeinde jemand den Code liest. Das wird niemand tun. Er liegt darin, dass man ihn jemand anderem geben kann.

Wenn der Dienstleister nicht mehr will, nicht mehr kann oder zu teuer wird, ist die Frage nicht, ob die Software gut war — sondern ob ein Nachfolger übernehmen kann. Ohne Quellcode ist die Antwort nein, und dann verhandelt man nicht mehr über den Preis, sondern über die eigene Handlungsfähigkeit.

Das ist der eigentliche Sinn: Open Source ist eine Ausstiegsoption, keine Ersparnis.

Was es nicht bedeutet

Nicht kostenlos. Die Lizenz ist kostenlos, der Betrieb nicht. Server, Aktualisierungen, Sicherungen und ein zuständiger Ansprechpartner kosten dasselbe wie bei jeder anderen Software. Bei uns beginnt das bei 40 € netto im Monat — die Aufschlüsselung steht in den Beispielrechnungen.

Nicht wartungsfrei. Offene Abhängigkeiten bekommen Sicherheitslücken wie geschlossene auch. Der Unterschied ist, dass man sie öffentlich nachlesen kann — was hilft, aber nur, wenn jemand hinsieht.

Nicht automatisch besser. Es gibt schlecht gepflegte offene Projekte und gut gepflegte geschlossene. Die Lizenz sagt nichts über die Qualität.

Die Frage, die wichtiger ist als die Lizenz

Nicht „ist es Open Source”, sondern: Wer kann das morgen übernehmen?

Daraus folgen drei prüfbare Punkte:

  1. Bekommen wir den Quellcode ausgehändigt — nicht „auf Anfrage”, sondern bei Übergabe, in einem Repository, das uns gehört?
  2. Ist dokumentiert, wie man es aufsetzt? Quellcode ohne Aufbauanleitung ist ein Buch in einer Sprache, die niemand spricht.
  3. Läuft es auf üblichen Bausteinen oder auf einer Eigenkonstruktion, die nur der Ersteller versteht?

Punkt 3 wird oft übersehen. Man kann Software quelloffen machen und trotzdem so eigenwillig bauen, dass niemand sie übernimmt. Offenheit ohne Verständlichkeit ist eine Ausstiegsoption auf dem Papier.

Wie wir es halten

Unsere Werkzeuge sind offen und nachlesbar — nerve, fleetdeck, granit, forge-ai, trendradar liegen auf GitHub. Sie sind keine Nebenprojekte: Auf nerve und fleetdeck läuft MealTime bei unseren Gemeinden. Warum wir das so machen, steht in diesem Beitrag.

Für Auftraggeber gilt derselbe Grundsatz eine Ebene tiefer: Was wir für Sie bauen, gehört Ihnen — Quellcode, Inhalte, Domain. Kein Lizenzmodell, das bindet. Wer bleiben soll, weil er nicht wegkann, bleibt aus dem falschen Grund.

Der ehrliche Einwand

Offenheit löst das Kernproblem nicht. Auch mit vollständigem Quellcode braucht es jemanden, der ihn übernimmt — und in einer Gemeinde ist das niemand im Haus.

Open Source verwandelt eine Abhängigkeit also nicht in Unabhängigkeit. Es verwandelt sie in eine wechselbare Abhängigkeit. Das ist weniger, als die Broschüren versprechen, und mehr, als die meisten Verträge bieten.

Wenn Sie vor einer solchen Entscheidung stehen und die drei Punkte oben an einem konkreten Angebot durchgehen wollen: Schreiben Sie uns. Wir sagen Ihnen auch dann, was zu prüfen ist, wenn das Angebot nicht von uns ist. Häufige Fragen dazu stehen auf Fragen.

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