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Werkstattsoftware: was Online-Terminbuchung wirklich ändert

Online-Terminbuchung, Auslastungsplanung und Fahrzeughistorie in der KFZ-Werkstatt: was sie leisten, was nicht, und welche Fragen an den Anbieter gehören.

Raphael Lugmayr 4 min Lesezeit

In der Werkstatt läuft die Terminvergabe fast überall gleich: Das Telefon klingelt, jemand mit öligen Händen geht hin, ein Name landet auf einem Papierkalender. Das funktioniert seit Jahrzehnten. Es hat nur drei Eigenschaften, die selten jemand ausspricht.

Warum das Telefon der teuerste Terminkanal ist

Es bindet zwei Leute gleichzeitig. Ein Anruf kostet nicht nur die Minuten des Anrufers, sondern dieselben Minuten in Ihrem Betrieb — und dort in der Regel die eines Facharbeiters, der gerade an der Hebebühne steht. Eine unterbrochene Montage wird nicht dort fortgesetzt, wo sie aufgehört hat.

Es klingelt zur falschen Zeit. Kunden rufen an, wenn sie Zeit haben: früh, mittags, kurz vor Feierabend. Das sind genau die Stunden, in denen die Werkstatt am dichtesten arbeitet. Außerhalb der Öffnungszeiten — also dann, wenn die meisten Menschen ihr Auto überhaupt erst als Problem wahrnehmen — ist niemand erreichbar.

Es hinterlässt nichts. Was am Telefon vereinbart wurde, existiert als Erinnerung. Bei einer Rückfrage drei Wochen später gibt es keine Fassung, auf die sich beide berufen können.

Ein Online-Termin dreht diese drei Punkte um: Er entsteht ohne Ihr Zutun, er entsteht zu jeder Tageszeit, und er hinterlässt einen nachlesbaren Eintrag mit Kennzeichen, gewünschter Leistung und Zeitpunkt. Das ist der eigentliche Gewinn — nicht die Bequemlichkeit, sondern die Schriftform.

Der planbarste Auftrag, den Sie haben, steht im Gesetz

Die wiederkehrende Begutachtung nach § 57a KFG, im Alltag „das Pickerl”, ist der seltene Fall eines Termins, dessen Fälligkeit lange vorher feststeht. Für Personenkraftwagen gilt in der Regel das bekannte Intervall: erstmals drei Jahre nach der ersten Zulassung, dann nach zwei weiteren Jahren, danach jährlich. Der Fälligkeitsmonat ist auf der Plakette am Fahrzeug ablesbar, und für die Vorführung besteht ein Zeitfenster um diesen Monat herum.

Das heißt: Für jedes Fahrzeug, das einmal bei Ihnen war, ist der nächste Anlass rechnerisch bekannt. Eine Software, die Fahrzeuge samt Fälligkeitsmonat führt, kann Erinnerungen erzeugen, bevor der Kunde selbst daran denkt — und Sie können die eigene Auslastung Monate im Voraus abschätzen, statt sie zu erleiden. Die genauen Intervalle und Fristen unterscheiden sich je nach Fahrzeugklasse; maßgeblich ist der Gesetzestext, nicht dieser Beitrag.

Auslastungsplanung ist nur so gut wie Ihre eigenen Zeitangaben

Jedes Buchungssystem verspricht, Hebebühnen optimal zu belegen. Es tut das auf Basis hinterlegter Dauern: Wie lange braucht ein Radwechsel, wie lange ein großer Service. Diese Zahlen kommen nicht aus der Software, sie kommen aus Ihrem Betrieb.

Wer hier Wunschzeiten einträgt, bekommt einen Kalender, der auf dem Bildschirm aufgeht und in der Halle nicht. Die Vorarbeit ist deshalb unspektakulär: Notieren Sie zwei, drei Wochen lang mit, wie lange die zehn häufigsten Arbeiten tatsächlich dauern — inklusive Annahme, Probefahrt und Rückgabe. Erst diese Liste macht die Planung brauchbar.

Eine ehrliche Fahrzeughistorie schützt vor allem Sie

Der praktische Wert einer digitalen Fahrzeugakte liegt weniger im Nachschlagen früherer Arbeiten als in einem Punkt, der oft übersehen wird: Sie dokumentiert auch das, was der Kunde abgelehnt hat.

Wenn ein Mangel bei der Annahme fotografiert, datiert und dem Kunden gezeigt wurde und dieser sich gegen die Reparatur entschieden hat, ist das ein Vorgang, der festgehalten gehört. Dasselbe gilt für den Zustand des Fahrzeugs bei Übernahme — Kratzer, Kilometerstand, vorhandenes Zubehör. Fotos mit Zeitstempel sind hier kein Beiwerk, sondern der Grund, warum die Diskussion später gar nicht erst entsteht.

Für den Kunden entsteht daraus ein zweiter Nutzen: eine lückenlose Historie erhöht den Wert des Fahrzeugs beim Verkauf. Das ist ein Argument, das Sie führen können, ohne etwas zu behaupten.

Wenn Sie rechnen wollen, rechnen Sie mit Ihren Zahlen

Zu diesem Thema kursieren Beispielrechnungen mit beeindruckenden Ergebnissen. Die Eingangsgrößen darin sind meistens geraten. Nützlicher ist der Rechenweg, den Sie selbst befüllen:

  • Termine, die derzeit ausfallen: ausgefallene Termine pro Woche × durchschnittlicher Auftragswert × Arbeitswochen im Jahr. Das ist die Obergrenze dessen, was eine Erinnerungsfunktion überhaupt bewegen kann — nicht der Betrag, den sie bringt.
  • Zeit am Telefon: Anrufe pro Tag × durchschnittliche Gesprächsdauer × Arbeitstage. Bewertet mit Ihrem internen Stundensatz, nicht mit dem Verrechnungssatz.
  • Dagegen: Lizenzkosten pro Jahr, Einrichtung, Datenübernahme und die Arbeitszeit, die Ihre Leute in der Umstellung verlieren.

Wenn die erste Zahl die dritte nicht deutlich übersteigt, ist die Antwort nein. Das ist ein legitimes Ergebnis.

Fragen, die vor der Unterschrift gehören

  • Wie kommen meine Daten wieder heraus? Fahrzeuge, Kunden, Historie — in einem Format, das ein anderes System lesen kann. Wer darauf ausweichend antwortet, verkauft eine Einbahnstraße. Das ist bei der Auswahl wichtiger als jede einzelne Funktion.
  • Wo liegen die Daten, und wer betreibt den Server?
  • Was passiert bei Kündigung mit Beständen und Belegen, für die Aufbewahrungsfristen gelten?
  • Gibt es eine Schnittstelle zur Buchhaltung oder tippt jemand alles ein zweites Mal ab?
  • Wer ist in zwei Jahren zuständig? Die häufigste Ursache für gescheiterte Umstellungen ist nicht schlechte Software, sondern ein Anbieter, der nicht mehr antwortet.

Eine ausführlichere Liste dieser Art — als Vorlage zum Hineinkopieren in die eigene Anfrage — steht unter Direktvergabe.

Was Software nicht löst

Ein Buchungssystem ersetzt keine Annahme. Der Kunde, der sein Geräusch beschreiben will, wird weiterhin anrufen — und das soll er. Ziel ist nicht, das Telefon abzuschaffen, sondern die einfachen Fälle davon zu befreien, damit für die schwierigen Zeit bleibt.

Womit wir arbeiten, steht auf Technologien; wie wir Aufbau und laufenden Betrieb rechnen, auf Preise.

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