Der Übergabetermin ist die verführerischste falsche Zielmarke im Webgeschäft. An diesem Tag ist alles frisch: Die Bilder sind aktuell, die Texte stimmen, nichts ist kaputt. Alle sind zufrieden, die Rechnung ist bezahlt, das Projekt ist beendet.
Und ab diesem Tag beginnt der Verfall — nicht, weil jemand schlecht gearbeitet hätte, sondern weil niemand mehr hinsieht.
Ein Projekt endet, ein Produkt nicht
Ein Projekt hat einen Anfang, ein Ende und ein Budget. Eine Website hat davon nur den Anfang. Sie läuft weiter, ihre Abhängigkeiten altern, ihre Inhalte veralten, die Umgebung ändert sich. Browser aktualisieren sich, Anforderungen ändern sich, Sicherheitslücken werden bekannt.
Wer eine Website als Projekt bestellt, kauft einen Zustand. Wer sie als Produkt bestellt, kauft eine Eigenschaft, die bleibt. Der Preis unterscheidet sich weniger, als man denkt. Der Unterschied liegt darin, ob jemand zuständig ist.
Bei einem Relaunch prüfen wir neben den sichtbaren Seiten auch alte Adressen, Weiterleitungen und Fehlerantworten. Eine Fehlerseite kann korrekt aussehen und technisch trotzdem Erfolg melden. Wie man das prüft, zeigt unser Beitrag zu Soft 404. Ein bestimmter Sichtbarkeitsverlust lässt sich einem solchen Fehler ohne weitere Belege nicht zuschreiben.
Woran man erkennt, dass auf Dauer gebaut wurde
Fünf Fragen, die man einem fertigen Ergebnis stellen kann — unabhängig davon, wer es gebaut hat:
Wovon hängt es ab? Jede fremde Erweiterung ist eine Abhängigkeit, die aufgegeben werden kann. Eine Seite aus zwanzig Erweiterungen hat zwanzig Möglichkeiten zu brechen. Wir bauen deshalb schlank und statisch — die Gründe stehen auf Technologien.
Was passiert, wenn ein Jahr lang niemand hinsieht? Die ehrliche Antwort trennt Bauweisen. Eine statisch ausgelieferte Seite braucht keine laufende Inhaltsanwendung. Trotzdem können auch dort veraltete Inhalte, unsichere Zugänge oder Probleme beim Hosting entstehen. Datenbankanwendungen und Erweiterungen haben zusätzliche Wartungsaufgaben.
Kann jemand anderes weiterarbeiten? Wenn nur der ursprüngliche Ersteller das System versteht, ist es kein Produkt, sondern eine Abhängigkeit von einer Person. Deshalb vereinbaren wir bei individueller Entwicklung Quellcodeübergabe, Nutzungsrechte und Zugänge. Für Produkte und Fremdkomponenten gelten eigene Lizenzbedingungen.
Ist messbar, ob es funktioniert? Nicht nur „ist die Seite oben”, sondern: Liefern Fehlerseiten den richtigen Statuscode? Ist der Kontrast lesbar? Passt die Seite auf ein Telefon? Was sich messen lässt, sollte gemessen werden — nicht behauptet. Wie das bei uns aussieht, steht im Prüfprotokoll unserer eigenen Seite.
Wer bemerkt es, wenn etwas kaputtgeht? Steht diese Person nicht im Angebot, gibt es sie nicht.
Was das für den Preis bedeutet
Ein Angebot, das mit der Übergabe endet, ist ein Preis für die halbe Arbeit. Den Rest zahlt man später und ungeplant.
Deshalb steht bei uns der Betrieb im Angebot, nicht im Kleingedruckten: Aktualisierungen, Überwachung, Sicherungen samt Wiederherstellungsprobe, Erreichbarkeit, kleine Änderungen. Der Einstieg ab 40 € netto im Monat betrifft den abgegrenzten Betrieb einfacher Websites. Arbeitskontingente, Reaktionszeiten, Sicherungen und weitere Leistungen werden passend zum Umfang vereinbart. Wie sich das zusammensetzt, steht in den Beispielrechnungen.
Der unbequeme Teil für Anbieter
Diese Denkweise begrenzt, was man anbieten kann. Wer weiß, dass er in drei Jahren noch der Ansprechpartner ist, wählt langweiligere Werkzeuge. Er baut weniger Funktionen. Er schreibt auf, warum etwas so ist, wie es ist.
Das ist der eigentliche Grund für unsere kurze Technologieliste und die noch kürzere Liste dessen, was wir annehmen. Nicht Prinzipienreiterei — Selbsterhaltung.
Die Frage vor allen anderen
Nicht „wie soll die Website aussehen”, sondern: Wer ist in zwei Jahren dafür zuständig, und woran merkt diese Person, dass etwas nicht stimmt?
Wenn darauf niemand antworten kann, ist die Gestaltung die kleinste Sorge.
Wenn Sie das für ein bestehendes System durchgehen wollen: Schreiben Sie uns die Adresse. Das Erstgespräch ist kostenlos. Eine vertiefte Prüfung wird separat mit definiertem Umfang angeboten; ihr Ergebnis kann auch lauten, dass keine Änderung sinnvoll ist. Wie wir rechnen, steht auf Preise.